Kann man das Erlebte vergessen oder verarbeiten? Ist ein Leben wie vor dem Sternenkind möglich? Hilft einem die Familie dabei, das Erlebte zu verarbeiten?

Das sind Fragen, die sich viele unsichtbare Eltern stellen, und die Antworten darauf sind nicht einfach. Kann man die Geburt oder das eigene Kind jemals vergessen? Für mich gibt es nur eine Antwort: Nein. Ich kann es nicht vergessen. Und ich möchte es auch nicht vergessen. Aber man kann lernen, es zu verarbeiten – mit der Zeit und mit professioneller Hilfe. Es wird nicht „normal“ sein, was das auch immer bedeutet, aber es wird erträglicher.

Deans Geburt liegt nun schon über 1 ½ Jahre zurück, und trotzdem denke ich immer noch sehr oft an ihn. Seitdem Leonie Chiara in unser Leben gekommen ist, hat sich das nicht verändert, aber die Gedanken sind leichter geworden. Die Erinnerung an Dean und die Erfahrungen, die wir gemacht haben, werden immer Teil von mir sein. Ich habe mich bewusst dafür entschieden, ein Tattoo zu bekommen, um eine sichtbare Erinnerung an meinen Sohn zu haben. Es zeigt eine Taschenuhr, eingefasst in Flügel, mit der Geburtszeit, der Zeit der Reanimation und seinem Namen sowie seinem Geburtstag. Diese Erinnerung hilft mir, ihn nie zu vergessen und ihm einen Platz in meinem Leben zu geben, den ich immer bei mir tragen kann.

Das Leben mit einem Sternenkind ist ganz anders. In den ersten Wochen und Monaten geht es nicht um „Normalität“ – es geht ums Überleben. Man versucht, für sich und seinen Partner da zu sein, während man mit einem Schmerz lebt, der niemals ganz verschwinden wird. Es dauert, bis man wieder einigermaßen klar denken kann. Bei mir hat es fast fünf Monate gedauert, um wieder in einen Zustand zu kommen, in dem ich mich nicht nur wie ein Schatten meiner selbst fühlte. Auch jetzt noch habe ich Schwierigkeiten, mit kranken Kindern umzugehen. Leonie musste nach weniger als einer Woche zuhause wieder ins Krankenhaus, weil sie nicht zunahm. Aber das war zum Glück nur ein Bedienerfehler. Ich erinnere mich noch genau an die Gefühle der Angst und Hilflosigkeit.

Die Familie spielt eine große Rolle, um das Erlebte zu verarbeiten – doch damit meine ich vor allem den Partner. Die anderen Familienmitglieder können oft nicht wirklich verstehen, was wir durchmachen. Immer wieder kommen gut gemeinte, aber wenig hilfreiche Aussagen, die den Schmerz nicht lindern. Mein Tipp: Sucht euch professionelle Hilfe, zum Beispiel von Traumatherapeuten. Schaut euch Selbsthilfegruppen an. Ermutigt eure Frauen, Rückbildungskurse zu besuchen, die speziell für Mütter sind, die ihr Kind verloren haben. Auch wir Männer sollten uns die Erlaubnis geben, zu trauern und unsere Gefühle zu zeigen. In meinem Rückbildungskurs habe ich einen anderen „unsichtbaren Vater“ kennengelernt, mit dem ich auch heute noch in Kontakt bin. Wir haben geweint, gelacht und uns ausgetauscht – und das hat uns beiden geholfen, das Erlebte ein kleines Stück erträglicher zu machen.

Nehmt euch die Zeit, die ihr braucht. Lasst euch Zeit, wieder in euren privaten Alltag zurückzukehren, bevor ihr euch in den Beruf stürzt. Denn erst dann könnt ihr im Job wieder 112 % geben. Leider gibt es immer noch Männer, die glauben, sie müssten stark bleiben und dürften nicht trauern. Aber auch wir Männer dürfen weinen. Weinen tut gut und erleichtert den ganzen Schmerz. Nach Deans Tod war ich wochenlang nicht in der Lage, Auto zu fahren. Meine Gedanken waren immer bei ihm. Auch nach Leonies Geburt fiel es mir schwer, mich zu konzentrieren, besonders als sie im Krankenhaus war. Aber jetzt, mit 4 Wochen, kann ich mich wieder mehr auf das Hier und Jetzt konzentrieren.

Vergesst niemals: Wenn ihr ein Kind verloren habt, seid ihr nicht alleine. Wir sind überall. Man sieht uns nur nicht.